Die im Januar 2021 veröffentlichte S3 Leitlinie für vaginale Geburten gilt für Gebärende und deren Kinder, die am Geburtstermin als Einling aus Schädellage geboren werden.
Es ist das das erste derart umfassende Dokument im deutschsprachigen Sprachraum in dem das aktuelle Wissen über die vaginale Geburt und prägnante Empfehlungen niedergeschrieben wurde.

An der S3 Leitlinie für vaginale Geburten der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e.V. waren mehrerer Fachgesellschaften beteiligt, unter anderem:

  • Gynécolgie Suisse (Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe)
  • SHV (Schweizerischer Hebammenverband)
  • OEGGG (Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe)
  • Gesellschaft für Qualität in der ausserklinischen Geburtshilfe e.V.
  • Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V.
  • Elternvertretungsinitative Mother Hood e.V.
  • Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen
  • Uvm.1

Was ist die S3 Leitlinie für vaginale Geburten?

Mithilfe der S3 Leitlinie liegt Schwangeren nun eine Grundlage vor, die sie mit wissenschaftlich begründeten Empfehlungen auf die Geburt vorbereitet.
Die werdenden Eltern erhalten einen fundierten Einblick in ihre Möglichkeiten und können auf dieser Basis zustimmende oder ablehnende Entscheidungen zu medizinischen Eingriffen besser treffen.
Ziel der S3 Leitlinie für vaginale Geburten ist also, Frauen verständliche Informationen über die Geburt an die Hand zu geben und somit ihre Selbstbestimmtheit als auch ihre Rechte zu fördern.

Das Wohlbefinden der Gebärenden sollte selbstverständlich bei jedem Handeln im Vordergrund stehen. In der Realität wird nach wie vor noch von Geburten berichtet, bei denen sich Patientinnen schlecht behandelt fühlten. In der Schweiz gibt es zudem grosse kantonale Unterschiede in der gewünschten Geburtshilfe – was auf unterschiedliche Beratungen schliessen lässt. Mit der S3 Leitlinie für vaginale Geburten wurden nun Empfehlungen zur Aufklärung, Beratung und zum Umgang von werdenden Müttern ausgesprochen. Daher ist die S3 Leitlinie für vaginale Geburten geradezu revolutionär in der klinischen Geburtsbegleitung.

Die Rolle der Hebamme bei der neuen S3-Leitlinie

Im Zuge der neuen S3 Leitlinie spielst du als Hebamme eine entscheidende Rolle.
Folgende konkrete Empfehlungen (für Hebammen) wurden in der S3-Linie zur vaginalen Geburt am Termin erstmals geäussert:

  • Die Eins-zu-eins-Betreuung durch eine Hebamme ab der aktiven Eröffnungsphase wird begrüsst. Das bedeutet auch, dass Gebärende in der Austrittsphase nicht mehr im Gebärsaal allein gelassen werden sollen.
  • Anstatt eines Dauer-CTGs wird die intermittierende Auskultation befürwortet. Das Ergehen des Babys wird dadurch weiterhin überwacht, aber die werdende Mutter hat mehr Bewegungsfreiheit.
  • Der gebärenden Mutter sollen alle Möglichkeiten zur Schmerzlinderung offengelegt und auch vorrangig nicht-medikamentöse Methoden angeboten werden. Die PDA bleibt nach wie vor die effektivere Vorgehensweise, jedoch soll stets nach den Wünschen der werdenden Mutter gehandelt werden.
  • Der Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Mutter und Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt soll empfohlen werden.
  • Frauen sollen wissenschaftlich fundierte Informationen erhalten und vollkommen objektiv vom Fachpersonal beraten werden.
  • Hebammen und ärztlichen Geburtshelfer:innen obliegt es zum Wohle der werdenden Mutter, gut zusammenzuarbeiten.

Für mehr Informationen schau dir die S3-Leitlinie „Die vaginale Geburt am Termin“ genauer an.

Folgende Empfehlungen für Hebammen wurden in der S3-Linie zur vaginalen Geburt geäussert:

  • Persönliche Betreuung durch eine Hebamme ab der aktiven Eröffnungsphase und nach der Austrittsphase im Gebärsaal
  • Intermittierende Auskultation zur Beobachtung des Ergehens des Babys 
  • Transparenter Umgang mit der Mutter in Bezug auf die Möglichkeiten von Schmerzlinderungen
  • Empfehlung des Haut-zu-Haut Kontakt zwischen Mutter und Neugeborenen direkt nach der Geburt
  • Offene Kommunikation von wissenschaftlich fundierten Informationen an die Mutter seitens der Hebamme 
  • Enge Zusammenarbeit zwischen Hebamme und Geburtshelfer:innen zum Wohle der werdenden Mutter
Literaturverzeichnis
1 AWMFonline – Das Portal der wissenschaftlichen Medizin,  S.15 und 16 https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-083k_S3_Vaginale-Geburt-am-Termin_2021-01_1.pdf (abgerufen am 22.03.2022)