Getreide macht innerhalb der Beikost dabei einen Großteil der Ernährung eines Säuglings aus und ist neben der Muttermilch einer der wichtigsten Energielieferanten. Während die im Handel erhältlichen Milch-Getreide-Breie bereits Milch enthalten und ganz einfach nach Zugabe von Wasser als verzehrfertige Milch-Getreide-Breie gefüttert werden können, bestehen reine Getreidebreie aus einhundert Prozent Getreide und bieten in allen Phasen der Beikosteinführung breite Einsatzmöglichkeiten. So können sie zur Zubereitung einer vegetarischen Alternative für den Gemüse-Fleisch-Brei, durch Zusatz mit Milch als Milch-Getreide-Brei oder auch für die Zubereitung eines Getreide-Obst-Breis verwendet werden.

Welche Vorteile bietet die Getreidebeikost?

Getreide trägt wesentlich zur Nährstoffversorgung der Kleinsten bei. Neben Kohlenhydraten liefert es Proteine zur Unterstützung von Wachstum und Entwicklung der Knochen. Aber auch für Mineralstoffe und Spurenelemente ist Getreide eine wichtige Quelle.

Zahlreiche Breivarianten auf dem Markt machen die Auswahl für einige Eltern sicherlich schwer – unterschiedliche Getreidesorten, verschiedene Altersangaben – aber welcher Brei ist denn nun am geeignetsten und worin liegen überhaupt die Unterschiede?

Die Ernährungswissenschaftlerin Claudia Weh gibt hierzu wertvolle Einblicke.

Ein Überblick über die verschiedenen Getreidesorten

Jede Getreidesorte bietet ihre Vorteile. Eine vielfältige Auswahl ist daher in jedem Fall sinnvoll, um eine möglichst gute Nährstoffversorgung zu gewährleisten und eine ausgewogene Ernährung zu fördern.

  • Reis und Mais sind glutenfreie Getreide-Varianten, die durch ihren hohen Kohlenhydratanteil dem Baby wichtige Energie liefern. Der faserarme und leicht verdauliche Reis eignet sich gut für Babys Bäuchlein. Mais stellt als Quelle zahlreicher Vitamine und Mineralstoffe eine wichtige Ergänzung dar. Besonders zu empfehlen sind diese gut verträglichen Getreidesorten für den ersten Brei und als glutenfreie Alternative. Europäische und nationale Institutionen empfehlen, Gluten zunächst in kleinen Mengen einzuführen und dann die Menge schrittweise zu steigern.1,2

  • Ebenfalls leicht verdaulich und sehr wertvoll in seiner Nährstoffzusammensetzung ist der Hafer. Besonders reich an Eisen, enthält er außerdem Calcium für normales Wachstum und die Entwicklung der Knochen sowie Vitamin B1. Mit seinem hohen Anteil an Zink unterstützt Hafer außerdem die Immunabwehr der Kleinen. Haferflocken sind besonders schonend für Babys Verdauung. Die darin enthaltenen unverdaulichen Ballaststoffe werden im Darm von guten Bakterien verstoffwechselt und fördern so eine gesunde Darmflora.

  • Neben Hafer ist auch die Gerste bekannt durch ihren hohen Anteil an löslichen Ballaststoffen, weshalb ihr gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden. Daneben versorgt auch Gerste unsere Kleinen mit hochwertigem Protein und Vitamin B3 und ist durchaus in der Säuglingsernährung geeignet.

  • Die am meisten angebaute und beliebteste Getreidesorte der Welt ist der Weizen – zurecht, denn in ihm stecken wichtige Inhaltsstoffe: Er versorgt den Körper mit Zink, B-Vitaminen und Magnesium. Für Säuglingsnahrung wird der Weizen am häufigsten in Form von Grieß, kleinkörnig vermahlen, verwendet.

  • Doch auch Hirse und Roggen sind im Speiseplan eines Säuglings nicht zu verachten. Als gute Quelle für Magnesium, Folsäure und Vitamin B2 ist Hirse eine sinnvolle Ergänzung. Roggen zeichnet sich durch einen insgesamt hohen Mineralstoff- und Vitamingehalt aus und liefert besonders komplexe B-Vitamine und Kalium. Ein großer Anteil des Keimlings und der Schale werden mitverarbeitet, was nicht nur einen hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalt, sondern auch Ballaststoffe mit sich bringt.

Generell sollte auf Vollkorn-Qualität geachtet werden. Da hier ein großer Anteil des Keimlings und der Schale mit verarbeitet werden, enthält Getreide in dieser Form mehr Mineralstoffe und Vitamine und stellt eine wichtige Quelle für Ballaststoffe dar. So wirkt sich Vollkorngetreide positiv auf die Stuhlkonsistenz aus, fördert die Darmbewegung und beugt Verstopfung vor.

Getreidebeikost als Helfer bei der motorischen Entwicklung

Neben der Nährstoffversorgung hat die Einführung der Beikost in einem Zeitfenster zwischen dem Beginn des 5. und 7. Lebensmonats noch eine weitere Funktion. Sie berücksichtigt die motorische Entwicklung und Aspekte der sensorischen Akzeptanz.1 Mit dem Start der Beikost erlernen Babys den Unterschied zwischen Nahrung und Getränk kennen, entdecken immer neue Geschmäcker und Konsistenzen und erfahren den Umgang mit komplexeren Texturen. Dadurch wird die Entwicklung des Säuglings gefördert und die Weichen für ein langfristig gesundes Essverhalten werden gestellt.

Die Geschmacksprägung von Säuglingen

  • In der frühen Phase der Beikost kann Vielfalt durch den Geschmack erreicht werden2. Die frühe Erfahrung mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen wird mit einer verbesserten Akzeptanz für neue Lebensmittel auch im späteren Leben in Verbindung gebracht1. Daher empfehlen Fachgesellschaften, die Lebensmittel- und Geschmacksvielfalt in der Beikost zu erhöhen. Frühe Geschmackserfahrungen beeinflussen außerdem die Ausprägung zu späteren Vorlieben1. Durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Auswahl der Beikost können Eltern also den Grundstein für eine gesunde Ernährungsweise legen.

  • In späteren Phasen der Beikost bedeutet Vielfalt neben Geschmack die schrittweise Erhöhung der Konsistenz und das Kennenlernen unterschiedlicher Texturen. Diese Erfahrungen sind für die Entwicklung der sensorischen Fähigkeiten und der Mundmotorik essentiell.

Aus diesem Grund ist der erste Brei mild im Geschmack und weich in der Konsistenz, sollte aber fest genug sein, um mit dem Löffel gegessen zu werden. Reis bietet sich wunderbar für den Einstieg in die Breikostphase an, denn er ist leicht verdaulich und mild im Geschmack Mais wird von Säuglingen aufgrund seines süßlichen Geschmacks gerne gegessen und ist ein guter Übergang von der ebenfalls süß schmeckenden Muttermilch. Tapioka – eine geschmacksneutrale Stärke – ist eine sinnvolle Ergänzung in Getreidebreien.

Ab dem 6. Monat bietet sich die Einführung von Getreidearten mit einem stärkeren Eigengeschmack und einer etwas festeren Konsistenz mit weichen Stückchen an. Gerne verwendet werden Weizengrieß oder Hafer. Hirse mit einem etwas aromatischeren Geschmack eignet sich nun auch besonders gut, um Geschmacksvielfalt zu erfahren. Bittere Geschmacksrichtungen wie zum Beispiel Roggengetreide und der Anteil an Vollkorn können ebenfalls nach und nach erhöht werden.

Durch Zugabe abwechslungsreicher Obst- und Gemüsesorten kann eine ausgewogene und vielfältige Beikost vervollständigt werden.

Literaturverzeichnis: 

Quellen: 

1 Koletzko B., et al. 2016. Monatsschrift Kinderheilkunde 164:771-798

2 Agostoni C., et al. 2008. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition 46:99-110