Einstieg

In Deutschland werden Kinder heutzutage immer häufiger per Kaiserschnitt geboren: rund 220.000 Frauen haben im Jahr 2020 durch diese Art der Entbindung ihr Kind zur Welt gebracht; dies macht fast ein Drittel aller Geburten aus. Eine Zahl, die nicht nur dazu führt, dass Deutschland, zusammen mit anderen Ländern wie zum Beispiel Italien und der Türkei, über dem OECD-Durchschnitt liegt, sondern auch zeigt, dass sich die Anzahl an Kaiserschnittgeburten bundesweit in den letzten 30 Jahren fast verdoppelt hat. Während 1991 noch nur 15,3% der schwangeren Frauen per Kaiserschnitt entbunden haben, waren es 2002 schon 24%, und 2020 bereits 29%.1

Kaiserschnitt: zwingend notwendig oder selbst gewählt

Bei Kaiserschnittgeburten unterscheidet man für gewöhnlich sowohl zwischen einem primären und sekundären als auch einem Notfallkaiserschnitt. Als primär wird ein Kaiserschnitt bezeichnet, wenn dieser bereits während der Schwangerschaft entschieden wird, da zuvor absehbar ist, dass eine vaginale Entbindung eine Gefahr für Mutter oder Kind bilden könnte. Als sekundär wird ein Kaiserschnitt bezeichnet, wenn während der Entbindung unerwartete Komplikationen entstehen, die den natürlichen Verlauf einer vaginalen Geburt unterbrechen. Sollte es zu einer lebensbedrohlichen Ausnahmesituation kommen, wird innerhalb weniger Minuten der Notfallkaiserschnitt durchgeführt, um das Leben von Mutter und Kind so schnell wie möglich retten zu können. Die häufigsten, jedoch trotz allem sehr selten auftretenden, Gründe für einen Notfallkaiserschnitt sind schwerwiegend veränderte Herztöne des Babys, die vorzeitige Ablösung der Plazenta, oder auch ein Nabelschnurvorfall.2

Ob ein Kaiserschnitt notwendig ist, wird anhand von speziellen Richtlinien entschieden, welche entweder in zwingend medizinische oder weichere medizinische Fälle eingeteilt werden. Bei den Fällen mit zwingend medizinischer Begründung handelt es sich zum Beispiel um eine dauerhafte Querlage des Kindes, einen drohenden oder bereits geschehenden Gebärmutterriss oder auch eine Unterversorgung des Kindes mit Sauerstoff.

Weichere medizinische Gründe für einen operativen Eingriff in den Geburtsvorgang können ein vorangegangener Kaiserschnitt, Mehrlingsschwangerschaften oder auch die Feststellung, dass das Kind ungewöhnlich groß und/oder schwer ist, sein.2

Generell sind aus medizinischer Sicht nur rund 10 Prozent der in den letzten Jahrzehnten durchgeführten Kaiserschnitte tatsächlich notwendig. Grund für die dennoch stetig ansteigende Zahl an Kaiserschnittgeburten innerhalb Deutschlands ist daher vor allem der sogenannte Wunschkaiserschnitt. Dieser wird für gewöhnlich ohne medizinische Empfehlung und stattdessen auf aktiven Wunsch der Schwangeren durchgeführt. Dieser Wunsch liegt oft einer Angst vor der Geburt oder einem vorhergehenden Geburtstrauma zugrunde, kann aber auch aufgrund der Planbarkeit oder Absehbarkeit der nachfolgenden Heilung eine attraktive Alternative für manche werdende Mütter sein.

Mögliche Nachteile des Kaiserschnitts:

Kaiserschnitte sind für gewöhnlich sichere Routineoperationen, jedoch kann es auch bei diesen zu gewissen Risiken und Folgen kommen. Dazu zählen zum Beispiel Schnittverletzungen an umliegenden Organen, Infektionen der Wunde, oder auch Wundheilstörungen. In der Wochenbettphase sollte darauf geachtet werden, dass sich die Mutter besonders schont und keinerlei größere physische Anstrengungen allein auf sich nimmt.2

Die Entscheidung zur Geburt per Kaiserschnitt kann nicht nur Folgen für die Mutter mit sich ziehen, sondern auch für das Kind spielt die Geburtsform besonders bei der Entwicklung des Immunsystems eine große Rolle. Bei Babys, die per Kaiserschnitt zur Welt gekommen sind, tritt eine geringere Konzentration unter anderem von Bifidobakterien im Darm auf.3,4 Im Gegensatz zu vaginal entbundenen Säuglingen passieren per Kaiserschnitt geborene Kinder nicht den Geburtskanal und kommen daher nicht in Berührung mit den im Vaginalsekret der Mutter angesiedelten Bakterien.3,5 Ein Mangel dieser und weiterer Bakterien, kann durch eine Dysbiose kurzfristig zu Verdauungsproblemen und Infektionen sowie langfristig zu einem erhöhten Risiko von beispielsweise Allergien oder Diabetes führen.3,6,7
Außerhalb des Vaginalsekrets treten diese nützlichen Bakterien auch in der Muttermilch auf und können ebenso durch das Stillen aufgenommen werden.3 Wenn Stillen keine Möglichkeit ist, kann eine Säuglingsnahrung mit Zusatz von Bifidobakterien bei einer unausgeglichenen Darm-Mikrobiota nach Kaiserschnitt helfen.4

Als Hebammen steht ihr werdenden Müttern bereits vor der Geburt zur Seite und beratet sie zu vielen Fragen rund um die voranschreitende Schwangerschaft. Auch Interesse, Fragen und Sorgen zur Geburtsvorbereitung und Art der Entbindung sind dabei ein relevantes Gesprächsthema und werden in eurem vertrauten Verhältnis besprochen. Beim Wunsch nach einer Geburt per Kaiserschnitt könnt ihr Mütter aus eurer Erfahrung heraus beraten, Ängste nehmen, Vorurteile abbauen sowie Risiken und Vor- und Nachteile aufzeigen. Damit seid ihr neben dem Frauenarzt oder der Frauenärztin eine der wichtigsten Ratgeberinnen.

Literaturverzeichnis
1 Statistisches Bundesamt (Destatis). (2022) Pressemitteilung Nr. N 022 vom 26. April 2022: Ein Drittel aller Geburten in 2020 durch Kaiserschnitt, unter https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/04/PD22_N022_231.html

2 BARMER. (2021) Welche Gründe gibt es für eine Geburt per Kaiserschnitt? unter https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/schwangerschaft/geburt/gruende-fuer-eine-geburt-per-kaiserschnitt-1054862

3 Shamir R, et al. (2015) John Wiley and Son.

4 Chua MC, et al. (2017) JPGN 65: 102–106.

5 Kumar H, et al. (2020) Microorganisms 8 (12): 1855

6 Martin R, et al. (2010) Benef Microbes 1 (4): 367–82.

7 Reyman M, et al. (2019) Nat Commun 10: 4997.