Immer mehr Frauen gebären in höherem Alter Kinder – vor allem in Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen. So zeigt sich in Deutschland, dass das durchschnittliche Alter der Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes seit Ende der 1960er konsequent gestiegen ist.1 Mittlerweile wird jedes vierte Kind von Frauen über 35 Jahren geboren und das unter einem gewissen Risiko.2 Denn das steigende mütterliche Alter wirkt sich nicht nur negativ auf die Fruchtbarkeit aus, sondern ist auch ein unabhängiger und direkter Risikofaktor. So wird eine Schwangerschaft ab 35 Jahren mit einer erhöhten Fehlgeburtsrate und steigenden chromosomalen Aberrationen assoziiert, also mit strukturellen oder zahlenmäßigen Veränderungen im Erbgut der Neugeborenen, die zu schwerwiegenden Krankheitsbildern führen können.3,4

Wie sich eine späte Schwangerschaft auf das Wohl von Mutter und Kind auswirkt

Neben dem Wohl der Säuglinge, hat eine späte Schwangerschaft auch Auswirkungen auf die Mütter, wie eine Studie mit über 800.000 Schwangeren der Universität in British Columbia in Kanada zeigt. Frauen über 40 wiesen im Vergleich zu Ende-20-Jährigen deutlich höhere Raten von schwerwiegenden und potentiell lebensbedrohlichen Krankheiten wie Nierenversagen, Schock oder akutem Herzstillstand auf. Die Ergebnisse zeigen vor allem auch ein deutlich gesteigertes Risiko für eine Fruchtwasserembolie. Dabei dringt während der Entbindung Fruchtwasser in den  Kreislauf der Mutter ein, was zum Tod führen kann. Eine mögliche Rolle könnte die stärkere gesundheitliche Vorbelastung von älteren Frauen spielen.5

Eine späte Schwangerschaft hat auch Vorteile

Blickt man auf die heutige Generation der Spätgebärenden zeigt sich allerdings, dass diese wesentlich gesünder leben als Frauen vor 50 Jahren.6,7 So achten sie beispielsweise auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung, schützen sich vor Infektionen und verzichten weitgehend auf Nikotin und Alkohol. Frauen, die ihren Kinderwunsch absichtlich spät realisieren, nehmen in der Regel auch früh und regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen teil. Sie sind gleichzeitig psychisch und emotional besser auf die Schwangerschaft und die Kindererziehung eingestellt. All diese Voraussetzungen können zu einer komplikationsarmen Schwangerschaft, Geburt und postnatalen Phase beitragen.

Die Aufklärung von Spätgebärenden durch Hebammen, Gynäkologen und Klinikärzten über mögliche Risiken und präventive Maßnahmen kann also einen maßgeblichen Einfluss auf den Verlauf der Schwangerschaft haben. Gleiches gilt für die regelmäßigen Kontrollen während der Schwangerschaft. Auch auf die Geburt kann sich eine umfassende Beratung auswirken. Da diese ab 35 Jahren mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen einhergeht, entscheiden sich viele Spätgebärende für einen Kaiserschnitt.1 Allerdings ist dies nicht immer nötig. Die medizinischen Experten sollten ihre Patienten daher zudem darauf hinweisen, dass Vaginalgeburten durchaus ohne Probleme möglich sind.

Quellen:

1 P. Ritzinger, J. W. Dudenhausen, W. Holzgreve: Späte Mutterschaft und deren Risiken. J. Reproduktionsmed. Endokrinol 2011; 8 (2), 112-122

2 Statistisches Bundesamt (Destatis) 2010.

3 Berkowitz GS, Skovron ML, Lapinski RH, Berkowitz RL. Delayed childbearing and the outcome of pregnancy. N Engl J Med 1990; 322: 659–4.

4 Bianco A, Stone J, Lynch L, Lapinski R, Berkowitz G, Berkowitz R. Pregnancy outcome at age 40 and older. Obstet Gynecol 1996; 87: 917–22.

5 Lisonkov S. et al. Maternal age and severe maternal morbidity: A population-based retrospective cohort study. PLoS Medicine 2017; 14(5).

6 Newburn-Cook CV, Onyskiw JE. Is older maternal age a risk factor for preterm birth and fetal growth restriction? A systematic review. Health Care for Women Int 2005; 26: 852–75.

7 Tough SC, Newburn-Cook C, Johnston DW, Svenson LW, Rose S, Belik J. Delayed childbearing and its impact on population rate changes in lower birth weight, multiple birth, andpreterm delivery. Pediatrics 2002; 109: 399–403.