Die beste und natürlichste Form, das Immunsystem eines Säuglings zu stärken, ist das Stillen – auch in Zeiten der Corona-Pandemie. Muttermilch enthält eine Vielzahl bioaktiver Komponenten, die dem Säugling nicht nur passiven Schutz bieten, sondern auch die Entwicklung seines eigenen Immunsystems fördern (SJ).

Geringe Erkrankungsraten
Die bisherigen Erfahrungen mit COVID-19 zeigen, dass Schwangere nicht häufiger als andere Menschen an COVID-19 erkranken (SJ). Außerdem zeigen Säuglinge und Kinder ein äußerst geringes Risiko für komplizierte Verläufe der Erkrankung (HvG/LB).

Geringes Übertragungsrisiko
Das Risiko einer Übertragung von SARS-COV-2 über die Muttermilch ist wahrscheinlich sehr gering und scheint nicht durch die Art der Geburt, verzögerte Abnabelung, Haut-zu-Haut-Kontakt, Art der Fütterung oder Room-in beeinflusst zu werden (SJ). In einer RT-qPCR-Untersuchung von 64 Muttermilchproben von SARS-CoV-2-infizierten Frauen wurde nur in einer Probe SARS-CoV-2 mRNA gefunden. Vertiefende Untersuchungen mittels Vero-E6-Zellen zeigten außerdem, dass keine der Muttermilchproben replikationskompetente (= aktive) Viren enthielt (HvG/LB).

Spezifische Antikörper gegen SARS-COV-2 in Muttermilch
Über Zellkulturstudien konnte herausgefunden werden, dass Muttermilch per se bereits die Replikation von SARS-COV-2 hemmt und damit vor COVID-19 schützt. Darüber hinaus zeigt die Milch von Müttern, die an COVID-19 erkrankt waren, spezifische neutralisierende Antikörper (insbesondere IgA) gegen SARS-CoV-2. Diese IgA-Antikörper-Titer blieben in den Proben über einen Testzeitraum von drei Monaten annähernd stabil (HvG/LB).
Nicht nur die Erkrankung, sondern auch die Impfung gegen SARS-COV-2 scheint die Produktion von spezifischen Antikörpern in Muttermilch, insbesondere IgG, zu induzieren. Erste Studien zeigten allerdings nach einem frühen Anstieg von virusspezifischem IgA in der Milch geimpfter Mütter ein Absinken dieser Werte nach ein bis zwei Wochen nach den jeweiligen Impfterminen (HvG/LB).

Unterstützung des Stillens im Falle einer Erkrankung
Wenn eine Mutter an COVID-19 erkrankt ist, sollte sie beim Stillen eine Maske tragen, gute Handhygiene betreiben und vermeiden, auf ihre Brust und das Kind zu husten. Auch sollte sie erwägen, ihre Brust vor dem Stillen mit Wasser und Seife zu waschen. Wenn sich eine Mutter zu unwohl fühlt, um direkt zu stillen, kann sie ihre Milch unter den oben genannten hygienischen Voraussetzungen abpumpen und ein anderes Familienmitglied die Milch füttern lassen. Wenn die Mutter nicht stillen kann oder abgepumpte Muttermilch nicht verfügbar ist, sollte pasteurisierte Spendermilch und als letzte Alternative eine industriell hergestellte Säuglingsnahrung in Betracht gezogen werden (SJ).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die langfristigen, gut belegten Vorteile des Stillens die potenziellen Risiken einer Übertragung des Virus durch die Muttermilch bei weitem überwiegen.

Inhalte dieses Artikels stammen aus dem Vortrag „Mythen und Fakten rund ums Stillen und COVID-19“ von der Nutricia Global Virtuelle Konferenz am 21. Mai 2021.  Weitere Informationen finden Sie hier.

Literaturverzeichnis: 

(HvG) Prof. Hans van Goudoever, Paediatrician, Professor and Director at Emma Children’s Hospital at Amsterdam UMC; Director of Dutch National Human Milk Bank (NL)
(SJ) Dr. Sarah Jarvis, MBE, General Practitioner (GP), Fellow of the Royal College of General Practitioners (RCGP), Visiting Professor of General Practice at the University of Huddersfield (UK)
(LB) Prof. Lars Bode, Professor of Paediatrics and Director of the Mother-Milk-Infant Centre of Research Excellence (MOMI CORE) at the University of California San Diego (US)